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Die Landwirtschaft und wir – eine never ending Story!

Ich weiß nicht, ob ihr es schon wusstet…die Landwirtschaft bedeutet uns sehr viel. Ein Großteil unserer Gespräche drehen sich darum. Egal wo wir lang kommen oder was wir machen, Alex erkennt und benennt die Böden, das Getreide oder die Rinder. Und schon sind wir wieder im Thema.

Natürlich reden wir auch viel darüber, da die Landwirtschaft auch unsere Zukunft ist. Irgendwann werden wir wieder einen eigenen Hof haben.

Doch wo und wie und was wollen wir machen?

Nun gibt es für mich noch viel zu lernen (für Alex auch, wann ist man schon einmal fertig mit lernen?) und gemeinsam entwerfen wir einen Plan, der ökologisch und biologisch gut ist. Wir wollen so natürlich wie möglich arbeiten, die Natur schonen, die Böden fördern, eine tolle Ernte haben und möglich wenig chemische Belastung.

Genau dazu dient auch die Zeit, die wir hier miteinander haben. So viel Zeit, Eindrücke und Erfahrung, die uns in den Gesprächen voranbringen. So können wir unseren Plan ausarbeiten bis ins kleinste Detail, um genau richtig ansetzen zu können, wenn es mal so weit ist.

Das klingt natürlich super toll und nach top vorbereitet. Wir sind uns bewusst, dass dann immer noch genug Unwägbarkeiten kommen und das es sowieso immer anders läuft als geplant. Wir wollen uns jedoch sehr sicher und gefestigt sein, in unserem Ziel mit unserem neuen Hof.

Ich wünsche mir, dass das unser gute Beitrag für diese Welt sein kann. Das wir der Natur ein Stück zurückgeben können, was wir ihr schon genommen haben. Hoffentlich sehen es dann viele Leute, denen das etwas bedeutet, die uns unterstützen und auf diesem Zug mitfahren.

Denn wir sind natürlich keine Vorreiter. Es gibt schon so viele gute Ansätze von denen wir profitieren. Wir können bei solchen großen Unternehmen wie zum Beispiel Demeter spicken. Wir holen uns Ideen bei der Permakultur ab. Auch im Tierbereich hat sich viel getan, sodass es schon einige Milchbetriebe gibt, die die Kälber bei den Kühen lassen und mit den geringeren Ertrag rechnen.

Genau diese Ideen wollen wir sammeln und für uns den richtigen Weg finden. Natürlich müssten wir meinetwegen keine Milch und /oder Fleisch herstellen. Aber die Welt möchte und meint, dass sie diese Produkte braucht. Deswegen finde ich es nicht sinnvoll, wenn ich mich hinstelle und sage Nö, machen wir nicht, weil ihr braucht das  nicht. Wer bin ich denn, dass ich das festlegen könnte? Das muss jeder für sich selber entscheiden.

Deswegen ist unserer Ansatz, dass wir es so gut wie möglich für die Umwelt, so Tierfreundlich wie es geht (Ich liebe Kuhkomfort!) umsetzen wollen. Die Balance zu finden, dass man trotzdem davon leben kann, ist schwer. Denn die großen Betriebe legen da ein Tempo, eine Technik und auch einen Preis vor, für kleine Betriebe, bleibt da nicht viel.

Die großen Flächen und Tierbestände haben jedoch Nachteile, denen man deutlich entgegensteuern muss!

Inspiriert zu diesem Artikel hat mich übrigens ein Telefonat. Familie Neumann hat mich ausgefragt über unsere Reise und Vorreise Planung und Entscheidung. Während ich ihnen ein Ohr ab kaute, ist mir bewusst geworden, wie viel sich um die Landwirtschaft dreht. Schon von Anfang an und die ganze Zeit. Also für uns.

Dann war ich mir gar nicht sicher, ob das hier schon so herausgekommen ist. Deswegen habe ich mir gedacht, teile ich mit euch unsere Gedanken, Pläne und Träume. Für mich war das irgendwie so klar, aber unsere Gedanken, explizit zu dem Thema habe ich meiner Meinung nach so noch nicht aufgeschrieben.

Momentan steckt Alex auch in der Ernte in einem großen Betrieb. Wir können wieder viel beobachten und Analysieren. Natürlich gibt es da tolle Technik, die wirklich sehr angenehm ist. Der John Deere 8530 mit stufenlosem Getriebe ist wundervoll für Alex Knie, das nicht so belastet wird, da er nicht schalten muss.

Oder die Mähdrescher, wo der Fahrer nur drin sitzt und aufpasst, da der Drescher allein fährt! Sicher ein Fluch und Segen zugleich.

Technik hilft viel in der Landwirtschaft, aber die Basics sollten nicht vernachlässigt werden. Wenn die Elektronik mal kaputt ist oder ausfällt aus irgendwelchen Außerirdischen Gründen, was ist dann? Von den Reparaturkosten einmal abgesehen? An unserem alten Traktor oder an unserer Super Hokey (Ihr erinnert euch – unser Auto?) kann Alex so viel selber reparieren und bauen, das geht mit der Technik nicht mehr. Das muss kosten technisch natürlich drin sein.

Ansonsten hat der Betrieb Riesen Getreideschläge. Wirklich riesig. Man kann das Ende nicht sehen. Doch was bedeutet das für den Boden? Es gibt Verwehungen, dass der Boden immer weniger wird. Das wird dann künstlich wieder aufgeschüttet. Die Qualität der Ernte leider, da bei den derzeitigen Wetterbedingungen spät geerntet werden kann.

Was wir auch beobachtet haben, dass das Wild, das in den Feldern gelebt hat, bei der Ernte ziemlich ratlos ist, wohin. Denn die Felder sind so groß und der nächste Wald so weit weg, dass sie nicht wissen, wie sie dahin kommen sollen, wenn überall laute und große Maschinen sind. Und überhaupt, nun haben wir ihr Haus eingerissen, was wird denn aus ihnen? Viele kleine Füchse und Rehe haben wir getroffen. Darüber machen wir uns momentan Gedanken, wie man es für die Tiere gestalten kann. Für Ideen und Gedanken sind wir natürlich offen.

Im Gegensatz dazu hat uns Irland und Wales sehr gut gefallen. Kleine Schläge (große gab es natürlich auch, aber Irland sehr sehr selten, in Wales schon mehr), dazwischen Hecken oder Mauern. Ja sicher bedeuten Umrandungen auch Schatten und geringerer Ertrag, aber was haben wir davon, wenn wir die Natur ausbeuten und kaputt machen für immer mehr und mehr. Wir haben so viel und ernähren damit noch nicht mal die ganze Welt (obwohl wir es könnten!). Das ergibt doch alle keinen Sinn!

Jedenfalls, zurück zum Thema. Irland und Wales hat auch kleine Schläge und große Technik. Das funktioniert auch. Die Milchkühe dürfen auch jeden Tag raus, das ist gut für Kuh und Milch. Klar macht es Arbeit, aber immerhin wollen wir etwas von den Tieren und wir sollten doch eigentlich auch gute Milch wollen, oder nicht?

Der Betrieb in Wales jedenfalls hat sich die Mühe gemacht und alle 300 zu melkende Tiere durften jeden Tag raus, das war wirklich sehr schön!

Was ist uns noch wichtig für unseren eigenen Hof?

So blöd das vielleicht klingt, aber es soll noch genügend Zeit für uns sein! Unsere Beziehung ist uns sehr wichtig. Eine Beziehung braucht Pflege, Zeit und Liebe. Das gehört für uns dazu und wird einfach ganz nüchtern in den Betriebsplan mit eingerechnet.

Klar, Alex kommt nahezu ohne Schlaf aus, ich jedoch nicht. Auch für ihn sollte das natürlich nicht Ziel, bis ewig zu ackern. Das Ziel ist unser Bauernhof Leben leben zu können, mit allem was dazu gehört. Wir also ebenso.

Auch die Vernunft hat schon angeklopft. Was ist, wenn Alex mal krank oder verletzt ist? Es sollte also tatsächlich nur so viel Arbeit sein, dass ich sie auch eine Weile allein bewältigen kann.

Wahrscheinlich kommt sowieso alles anders als gedacht und geplant. So ist es ja die ganze Zeit bei uns. Nichtsdestotrotz sind das die Gedanken und Gespräche die bei uns so stattfinden.

So, nun muss ich aber los. Ich werde Alex im Traktor Gesellschaft leisten. Vielleicht darf ich auch mal selber fahren. So 400 PS sind bestimmt toll unterm Popo!

 

Bleibt fröhlich und bis bald!

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