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Minimalismus – mittlerweile nur ein Modewort?

Da wir nun wieder ein festes Domizil bezogen haben, zumindest vorübergehend, kamen bei mir verschiedene Gedanken und Gefühle hoch. Ein immer wiederkehrender Wettstreit meiner zwei Seelen: Die Prinzessin gegen Waldpelfe (das ist eine Elfe mit ein paar Kilos mehr;-))

Wisst ihr, was mir fast am meisten gefallen hat, als wir beschlossen haben loszumachen? Dinge loszuwerden. Alles wegzugeben, zu verkaufen und leider auch wegzuschmeißen.

Ich brauche nicht viel bis ganz wenig. All unser Hab und Gut hat in ein kleines Auto gepasst. Es wäre deutlich weniger Gepäck, wenn man den ganzen Zettelkram nicht bräuchte. Sicher haben wir viel bei Freunden untergestellt, aber manche Unterlagen benötige ich eben momentan noch. Immerhin mussten wir viel abwickeln, um unser altes Leben zu beenden.

Ansonsten haben wir Kleidung (jetzt ein bisschen mehr, weil der Winter vor der Tür steht), Kochutensilien und Hundezeugs dabei. Sicherheitshalber immer noch Zelt, Isomatte und Schlafsack. Diese Extravaganz können wir uns dank dem Auto leisten. Außerdem noch das Kletterzeug, Sport muss eben sein.

Während Alex sich wieder auf den eigenen Hof freut, ich eigentlich auch, graut es mir jedoch vor dem Haus. Die ganzen Anschaffungen und Zeugs, was dazu gehört. Irgendwie habe ich darauf keine Lust. Andererseits genieße ich es nun auch.

Zwei Herzen in meiner Brust

In “unserem” Cottage, was wir hier gemietet haben, befindet sich eine Badewanne. Boah…Sie ist für mich Luxus, ich weiß darum, aber sie ist auch unabdingbar um wirklich anzukommen. Nun haben wir auch wieder ein Bett und eine Küche, ein Sofa (was ICH NICHT wollte) und einen Tisch mit 4 Stühlen. Da sind immer noch 3 Zimmer übrig, die natürlich jetzt nicht möbliert werden.

Meinetwegen hätten wir noch ein Zimmer weniger bezogen, aber Alex hat recht, was den Schlafkomfort angeht. Wenn wir dann heizen im Winter (uah, Luxus!), dann ist es zu warm, um in dem gleichen Zimmer zu schlafen. Deswegen also Schlafzi, Küche, Bad und Wozi.

Auch für die Küche waren wir ein wenig einkaufen, da ich nicht immer von dem Camping Geschirr essen wollte. Wir haben es geschenkt bekommen und die Teller sind aus Kunststoff. Ein tolles Set für unterwegs, aber hier mag ich dann doch nicht von und aus Kunststoff essen. Also Teller und Besteck gekauft.

Merkt ihr was? Ja, zu einem Haus/ Wohnung gehört Zeug. Und auch ich mag es und möchte es heimelig machen. (Kerzen wurden ebenso käuflich erworben)

Es ist auch nicht so, das ich nicht gern solche Sachen kaufe. Doch wenn ich darüber nachdenke, was man dafür alles ausgibt, wie viel und hart wir dafür arbeiten müssen und das die meisten Dinge in Low- Budget Ländern gefertigt wurden, dann werde ich traurig und ratlos.

Wie soll ich es richtig machen in unserer Welt? Mich dieser Dinge zu erwehren fällt mir oft schwer. Aber ich arbeite daran und wir haben schon viele unserer Verhaltensweisen geändert. Auch für die Zukunft wissen wir, dass wir einen Garten brauchen und wollen. Das Haus soll so klein wie möglich sein, der Rest wird vermietet oder anderweitig sinnvoll genutzt. Möbel und Geräte werden selbst hergestellt oder second Hand gekauft (Das haben wir hier auch schon gemacht, also second Hand gekauft – wenn du es nichts wüsstest, würde es dir nicht auffallen).

(Und für den Strom sammeln wir uns viele kleine Hamster – nein, Spaß bei Seite!:-))

Was bedeutet Minimalismus?

Dieses Wort ist nun seit geraumer Zeit in aller Munde und fast schafft es schon wieder Unmut bei denen, die nicht immer auf den hippen Zug aufspringen mögen.

Per Definition meint Minimalismus folgendes:

Einfaches Leben, auch freiwillige Einfachheit, Minimalismus oder Downshifting genannt, bezeichnet einen Lebensstil, der sich als Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft sieht.

(Natürlich gibt es Minimalismus nicht nur fürs Leben, sondern auch für die Kunst, Musik und Architektur)

Genau das muss man sich neben diesem zu Mode gewordenem Wort wieder ins Gedächtnis rufen. Weniger ist mehr. Was macht der Konsum mit und unserer Welt? Wie stellst du dir die Zukunft vor? Und die deiner Kinder? Nicht auf das Wort achten, sondern auf den Sinn dahinter.

Für mich bedeutet Minimalismus: keine Dinge anzuhäufen, kein sinnloser Konsum oder Langeweile Kaufen.  Den Rahmen muss jeder für sich selbst stecken und es geht nicht darum, andere schief anzuschauen, nur weil sie zum Beispiel Geld für Kerzen oder Kaffee ausgeben. 

Was ich übrigens beides mache. Ich empfinde es auch als Luxus und möchte es wertschätzen, dass ich es mir leisten kann. Deswegen liegt mein Kaffeekonsum zwischen 1-3 Tassen am Tag. Das mag für den ein oder anderen viel erscheinen, doch ich lag schon bei ganz anderen Exzessen, das hat aber nichts mehr mit Genuss zu tun.

Noch einmal zu der Badewanne. Was für ein Luxus, dass wir uns in eine Wanne VOLL mit Wasser legen können. Wahrscheinlich können das die meisten von uns täglich. Wahnsinn, oder?

Was Minimalismus nichts ist: sich durch unaufhörlichen Verzicht selbst kasteien. Kannst du natürlich machen, ist für mich nicht zielführend.

Bewusst mit den Dingen umgehen, sie wertschätzen und genießen. Keinen übermäßigen Konsum zelebrieren, sondern das seltene jedoch Besondere mit allen Sinnen aufnehmen.

Diese glückliche und dankbare Energie, die muss in die Welt hinausgetragen werden. Nicht das Höher, Schneller, Weiter.

Was bewirkt Minimalismus?

Unabhängigkeit, Freiheit, Ordnung, Kreativität und Übersichtlichkeit

An sich ist das Wort eher Unattraktiv und bei dem ersten Blick hinter die Kulissen findet man einiges an Anstrengung. Aufräumen, Ordnen, sich Gedanken machen und wieder aufräumen.

Sicher sollte man sich darüber Gedanken machen. Worüber? Nicht über Minimalismus, sondern worum es im eigenen Leben geht und was im großen und ganzen Sinn ergibt.

Ist es denn das große Auto, das riesige Haus und die tollen tollen Möbel darin? Es ist schön, wenn du jeden Tag essen gehen kannst und dich bekochen lässt. Doch gibst du auch ein Stück Kontrolle ab.

Woher kommen die Lebensmittel und welche Qualität haben Sie? Was passiert mit den Resten?

Für mich bedeutet minimalistisch zu Leben auch Kreativität. Der Raum, der entsteht, den kann ich füllen. Mit meinen Gedanken, mit meinen Geschichten und Plänen. Doch der Raum dafür muss da sein.

Weißt du worauf das abzielt? Aus einem Minimalisten wird irgendwann ein Maximalist.

Wo kommt denn jetzt der Maximalist her?

Aus einem gelungenen Minimalismus entsteht eine maximale Lebensfreude, maximaler Genuss, maximaler Nutzen von Zeit.  Das klingt irgendwie gar nicht mehr öde und nach Selbstdisziplin, oder?

Der Weg des Minimalismus bedeutet uns sehr viel und wir ernten tatsächlich schon Früchte. Wir haben mehr Zeit, da wir uns nicht durch die üblichen Konsumgüter ablenken lassen.

Wir haben Ordnung in den paar Dingen, die wir besitzen. Diese kleinen Besitztümer machen uns glücklich, wir genießen sie und sie machen uns frei. Denn wir sind nicht abhängig von Ihnen.

Natürlich sind wir noch nicht beim Maximum angekommen, doch der Weg dahin macht Spaß, es gibt viel zu entdecken und noch mehr über uns zu lernen.

Minimalismus Challenge

Kannst du dich an dein letztes Aussortieren erinnern oder an deinen letzten Umzug? Dieses ganze Zeug! Ich gebe dir hier ein paar Ideen, wie du starten kannst, wie alles weniger wird.

Wenn du dich umsiehst, der erste Gegenstand, der dir begegnet, wie oft hast du ihn in den letzten 4 Wochen benutzt, angefasst, an ihn gedacht oder ihn vermisst? 0-3 mal? Ich denke, du kannst dich davon trennen!

Natürlich wollen wir nicht einfach sinnlos Müll produzieren. Man kann mit diesen Dingen so vielen Menschen eine Freude machen. Zum Beispiel dein alter Schlafsack, den du schon seit 2 Jahren nicht mehr benutzt hast und ziemlich wahrscheinlich die nächsten 2 auch nicht brauchst, den kannst du doch einem Obdachlosen schenken. Und zwar direkt. Was denkst du, wie sehr er sich freut?

Dir fallen sicher noch mehr solcher Beispiele ein. Kinderheime, Krankenstationen und das Rote Kreuz freut sich immer über Decken, Pullover, Kuscheltiere, Gläser und was weiß ich nicht noch.

Wie geht ihr mit dem Reichtum um, mit der Fülle an Dingen, um euch herum? Wir würden uns freuen, wenn ihr uns erzählt, was euch wichtig ist und worauf ihr gut verzichten könnt.

Mit einem regen Austausch finden sich immer mehr gute Ideen für einen selbst. Also, bleibt offen und MiniMaxiMal!

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